Blogbeitrag: Hilfe, mein Kind übt nicht zu Hause

Veröffentlicht am 22. August 2026 um 14:14

Ich glaube alle Eltern haben es schon eimal in dem ein oder anderen Kontext erleben dürfen: Das Kind lernt grade etwas Neues und hat keine Lust zu Hause zu üben, wenn Mama oder Papa dies vorschlagen. Im ersten Moment löst ein solcher Moment in den Eltern natürlich nicht unbedingt ein Gefühl des Wohlgefallens aus. Vielleicht ist der erste Impuls auch, dem Kind zu sagen: "Aber komm Du gehst doch zum Unterricht, da muss man auch mal zu Hause üben...". Dieser Impuls ist ganz verständlich, bedenkt man dass wir alle im Rahmen unsere Kindheit solche oder ähnliche Sätze von unseren Eltern hören durften. Dies prägt sich in unser Unterbewusstsein auf ganz natürliche Weise ein, ob wir das nun wollen oder nicht. Nun möchte ich Sie, in diesem Artikel, bitten einmal kurz inne zu halten und sich daran zu erinnern, welches Gefühl Sie als Kind hatten, als Sie einen solchen Satz zu hören bekamen?

Ich persönlich erinnere mich nur allzu gut daran, wie ich mich fühlte. Ich war genervt und hatte gar keine Lust mehr. In meinem Beispiel war es das Üben am Klavier. Ich mochte das Instrument und auch meine Klavierlehrerin sehr gerne, doch dieser Zwang des Übens löste in mir einen Druck aus, der mich innerlich demotivierte. Wirklich frei von mir aus mit Spaß und Freude Klavier spielen, könnte ich erst wenn dieser Druck für einen Weile weg fiel. Dann kam diese Gefühl der Freude zu mir zurück. Mitlerweile bin ich in die Position Selbst zu lehren und ich habe mich lange Zeit damit beschäftigt, welche Tipps und Tricks ich Eltern mit auf den Weg geben kann, wenn ihr Kind zu Hause nicht üben will und auch was mir als Kind wohl geholfen hätte, meine Motivation konstenat zu halten. Im Folgenden sind einige dieser Tipps kurz und knackig beschrieben: 

1. Finden Sie einen schönen, kreativ ansprechenden Platz für das Instrument: 

Die Gitarre steht zu Hause an der Eingangstür gut verpackt in der Transporttasche? Eine wirklich praktische Variante um das Kind mal schnell zum Unterricht zu bringen. Doch spricht dieser Platz wirklich zum Üben an? Ich würde empfehlen nach einem anderen Platz zu suchen. Vielleicht gibt es dir Möglichkeit die Gitarre an einer Halterung an der Wand des Kinderzimmers zu befestigen in griffbereiter Höhe für Ihr Kind? Oder ihr Kind hält sich viel im Wohnzimmer aus und ein Platz am Kamin oder in Nähe der Couch wäre das Richtige? Sehen Sie es als kreativen Prozess und machen Sie sich auf die Suche. Beziehen Sie gerne auch ihr Kind mit ein. Für einige Kinder ist es ein Gefühl von Sicherheit wenn Sie bei der Kontaktaufnahme mit Ihrem Instrument ganz ungestört sind. Andere mögen es gerne wenn Sie zuhören. Sprechen Sie ganz entspannt darüber. 

2. Den Prozess begleiten, indem wir uns Selbst am Instrument versuchen

Keine Sorge, Sie müssen hierfür kein Instrument spielen können. Manchmal reicht es aus, einen Blick in den Hefter des Kindes zu werfen und ein Lied so schlecht wie möglich zu spielen bzw. dies zu versuchen. Umso schlechter die Vorführung desto besser wird es für einen gemeinsamen Übungsprozess. Stellen Sie sich vor, Sie wären Selbst ein Kind, das gerade dieses Instrument lernt und dürften Fehler machen. Ihr Kind wird dies warscheinlich sehr lustig finden. Fragen Sie ihr Kind, ob Sie es richtig machen. Sagen Sie sie wollten es ausprobieren. Wenn Kinder etwas gelernt haben, wollen Sie es oftmals gern weitergeben und wenn wir ehrlich sind, geht es uns Selbst oft genauso. Sie schaffen so den Raum, für einen Moment des selbstbewussten Vorführens und für Spaß beim Üben. Umso mehr Lachen desto mehr Leichtigkeit verspricht die Übungsstunde. 

3. Den Raum so frei wie möglich halten

Oft wollen Eltern alle Entwicklungsschritte Ihrer Kinder hautnah miterleben. Sie sind dann gleich mit aufgeregt und freuen sich über jeden Fortschritt, sind dann auch Stolz. Doch ich schätze Jeder und Jede von uns weiß, dass Lernen nicht nur Erfolgserlebnisse verspricht, sondern manchmal auch Misserfolge mit sich bringt. Durch unsere Leistungsgesellschaft und das darauf basierende Schulsystem lernen wir früh, dass der Fokus eher auf die Fehler gerichtet ist, als auf die Reise und den Spaß beim Lernen. Aber wenn wir alle ehrlich sind, motiviert uns das nicht unbedingt dazu Dinge auszuprobieren, die uns schwer fallen, uns sozusagen weiterzuentwickeln. Für Kinder ist die ganz genauso, wie für uns Erwachsene. So löblich es also ist, dass Sie als Eltern die Reise Ihrer Kinder miterleben möchten, so kontraproduktiv kann dies sein wenn es um den Lernprozess geht. Ab und an erlebe ich es im Unterricht, dass wir an einen Punkt kommen, wo der Schüler oder die Schülerin eine Blockade hat. Es nützt dann nichts, an der entsprechenden Stelle weiterzumachen. Häufig bringt eine spielerische Auflockerung, ein bereits gut eingeübtes Lied dem Schüler das nötige Selbstbewusstsein oder den nötigen Spaß und dann geschehen Wunder. Fast jedes mal übt der Schüler das was ihm schwer fiel von alleine oder traut sich 1- 2 Stunden später und die Blockade ist vorrüber. Dieser Moment ist dann ein Glücksgefühl für alle. Wenn Sie also bermerken, dass wiederholtes Nachfragen nach dem Üben zu einer Blockade führt, lassen Sie es los. Geben Sie dem ganzen Prozess seinen Freiraum. Fragen Sie ein paar Woche später ganz unverfänglich nach, was ihr Kind gerade so spielt auf dem entsprechenden Instrument. Manchmal reichen diese kleinen Momente schon für einen Motivation aus sich Selbst heraus. Oder versuchen Sie das Instrument ohne Worte in das Zimmer des Kindes zu stellen. Aber bitte vermeiden Sie das Lauschen an der Tür, unsere Kinder sind häufig viel aufmerksamen als wir denken. Lassen Sie dem Prozess seinen freien Lauf und denken Sie daran: Weniger ist manchmal mehr. 

4. Loben, loben, loben

Wir Selbst wissen wie gut es sich anfühlt, wenn Jemand den wir gern haben uns sagt, dass wir etwas gut gemacht haben. Es bleibt ein wohliges Gefühl in unseren Herzen und wir sind motiviert weiter zu wachsen und unsere Fähigkeiten weiter auszubilden. Kindern geht es genauso. Loben Sie alles was ihr Kind mit dem Instrument an Erfahrung sammelt. Sollte es Ihnen auch noch so klein vorkommen. Aller Anfang ist eine Überwindung, doch wenn Jemand an uns glaub zu dem wir aufschauen, fällt es uns viel leichter. Wenn sich das Kind zu Hause nicht traut, sagen Sie ihm die Lehrerin hätte es gelobt und sie hätte gesagt, das Kind hätte tolle Forschritte gemacht. Fragen Sie in dem Zuge gern, was grade gespielt und gelernt wird und hören Sie einfach zu. Jedoch würde ich empfehlen an diesem Punkt Erwartungshaltungen zu vermeiden. Die Motivation sollte nicht daran gekoppelt sein, gleich etwas vorzuführen. Sie sollte auf Vertrauen basieren ohne eine Leistung zu erwarten. Andernfalls wird Leistungsdruck gefördert und ich glaube der sollte beim freudvollen Erlernen eines Instrumentes nicht im Fokuss stehen. Weder für Sie als Eltern, noch für die Kinder.

Was ich hier schreiben, soll Niemandem ein schechtes Gewissen einreden. Kein Mensch weder die Kinder noch wir Erwachsenen kann alles richtig machen und mal ehrlich, würden wir das tun wäre das Leben nicht nur langweilig, sondern wir würden auch nicht Neues Lernen können. Und ist es nicht genau das, was das Leben so spannend und lebenswert macht? Lassen Sie uns gemeinsam Lernerfahrungen schaffen, die Spaß und Freude bringen für Groß und Klein und aus denen auch wir Erwachsenen, noch jeden Menge Neues Lernen können. Kinder sind oft unsere größten Lehrmeister. :)